Depression – Rolle
der Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten Menschen, die unter Depressionen
leiden, in einem besonderen Maße Hilfe und Unterstützung. Der
Austausch mit anderen Betroffenen ist entlastend. Die Menschen
erfahren, dass sie mit ihrer Krankheit, die oft in der
Gesellschaft tabuisiert wird, nicht allein sind. Betroffene
können sich auch ein Stück weit gegenseitig Halt und
Unterstützung geben. Darüber hinaus bietet die
Selbsthilfegruppe die Chance, gemeinsam aktiv zu sein. Gerade
für depressive Menschen, die unter Antriebslosigkeit leiden,
ist dies ein Schritt hin zur Überwindung einer depressiven
Episode. Selbsthilfegruppen sind auch eine wichtige
Informationsbörse und bieten Patienten die Chance, sich besser
über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu
informieren. Es liegt in der Natur der Krankheit, dass
Patienten, die sich in der Phase einer schweren Depression
befinden, kaum motiviert werden können, sich einer
Selbsthilfegruppe anzuschließen. Diese Gruppen sind deshalb
vorrangig geeignet für Menschen in der Früh- oder Endphase
einer Depression sowie für Patienten, die unter
wiederkehrenden Depressionen leiden und sich gerade in einer
beschwerdefreien Periode befinden.
Im Vergleich zur Schweiz gibt es in Deutschland bisher nur
wenige Selbsthilfegruppen zu Depressionen; diese Gruppen sind
auch nicht überregional – z.B. durch einen eigenen Dachverband
auf Bundesebene – vertreten.
Wie ist der Stand der Selbsthilfe
Depressionen in Deutschland?
Gesicherte Zahlen zu dieser Frage gibt es derzeit nur für
Baden-Württemberg. Dort gibt es laut einer Umfrage bei den
Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen gerade einmal 23 Gruppen
zum Thema Depressionen und 30 Gruppen zum Thema Ängste.
Als Vergleichzahl soll der Rems-Murr-Kreis (nahe Stuttgart)
dienen. Dort sind aufgrund Privatinitiative innerhalb von zwei
Jahren zehn Selbsthilfegruppen Depressionen / Ängste
entstanden. Hochgerechnet an den Einwohnerzahlen fehlen somit
ca. 220 – 250 Gruppen in Baden-Württemberg. Es ist davon
auszugehen, dass es in anderen Bundesländern nicht anders ist.
Dass die bestehenden Gruppen nicht einmal miteinander vernetzt
sind, macht die ganze Angelegenheit noch trauriger.
Selbsthilfe bei Depressionen und
Ängsten - Unterschiede
Auf die Gründe für Depressionen und Ängste soll hier nicht
näher eingegangen werden. Allerdings, wie alleine sich
Menschen mit Depressionen und Ängsten fühlen, können nur
Personen ermessen, die ähnliches durchgemacht haben. So sind
diese Ausführungen hier das Ergebnis eigener gemachter
Erfahrungen.
Ich behaupte: „Es ist ein großer Unterschied zwischen
Selbsthilfegruppen (egal in welchem Bereich) und einer Gruppe
Depressionen.“ Stimmt das? Gibt es eine Möglichkeit der
Änderung?

Was sind das
für Unterschiede? Warum ist das so / könnte das so sein? Der
Hauptunterschied ergibt sich schon aus der Erklärung der
Krankheit.
Eine Depression (v. lat. depressio „Niederdrücken“), in der
Psychologie und der Medizin meist als depressive Episode
bezeichnet, ist eine psychische Störung, die durch die
Hauptsymptome
-
gedrückte
Stimmung
-
gehemmter
Antrieb
-
Interesselosigkeit und Freudlosigkeit
-
ein gestörtes
Selbstwertgefühl und eine Abschwächung der Fremdwertgefühle
(Verlust von Interesse/Zuneigung für früher wichtige
Tätigkeiten oder Bezugspersonen
-
Schwund der
emotionalen Resonanzfähigkeit, wobei sich der Patient seiner
fehlenden Fremdwertgefühle schmerzhaft bewusst wird – von
Betroffenen als Gefühl der Gefühllosigkeit bezeichnet)
gekennzeichnet ist.
Gründung einer
Selbsthilfegruppe
Gründung einer Selbsthilfegruppe erfolgt von Betroffenen für
Betroffene. Leider ist es nun in der Regel so, dass nach einer
Behandlung – ob stationär oder ambulant – der Patient sich
wieder in sein „normales“ Umfeld zurückzieht und keine Zeit,
kein Interesse und auch häufig nicht die Kraft für die
Gründung einer Selbsthilfegruppe hat. Häufig steckt der
Patient noch immer in einer Berg- und Talfahrt. Häufig ist der
Patient auch nach einem stationären Aufenthalt noch nicht so
gefestigt und hat genug mit sich selber zu tun. Man könnte
jetzt meinen, es könnte jemand nicht Betroffenes eine Gruppe
gründen. Das ist aber aufgrund des häufigen Nichtverstehens
der Krankheit leider nicht möglich.
Gruppenmitglieder
Das Krankheitsbild Depressionen trifft natürlich auch
diejenigen, die Interesse an einer Selbsthilfegruppe bekundet
haben. Auch hier müssen erst einmal Hemmnisse die häufig in
einem selber liegen überwunden werden. Bei den gegründeten
Gruppen haben sich auch Personen gemeldet, die dann aber doch
nicht erschienen sind. Die Gruppenmitglieder haben einen recht
unterschiedlichen Stand. Die Gründe für die Depression können
sehr vielschichtig sein. Das macht es zusätzlich schwierig.
Nun hat sich jemand einmal durchgerungen zu einer
Selbsthilfegruppe Depressionen zu gehen. Nach einigen Wochen
fühlt sich derjenige von der Psyche wieder stärker und meint
die Gruppe nicht mehr zu benötigen. Er bleibt der Gruppe fern.
Hier sehe ich eine große Gefahr für den Bestand einer
Selbsthilfegruppe Depressionen.
Gruppenarbeit
Die Gruppenarbeit in einer Selbsthilfegruppe Depressionen ist
sicher ebenfalls schwieriger, da die Depression eine latente
Ungeduld mit sich bringen kann. Des Weiteren sind die
Teilnehmer sicherlich sensibler auf Dinge, Worte, Gesten oder
was auch immer. Gruppenmitglieder bleiben womöglich auch mal
schneller einem Termin fern. Nicht weil sie nicht wollen –
nein weil sie einfach nicht können (Antriebslosigkeit). Das
hat natürlich Auswirkungen auf die Gruppe und das sollten sich
die Teilnehmer auch zugestehen.
Aufgrund dieser Unterschiede ist eine Vernetzung bestehender
Gruppen notwendig um auch voneinander zu profitieren.
"Gründen Sie
eine Gruppe!"
Günter Schallenmüller