26.10.2011
Pfitze riss die Anzeige aus der
Zeitung und schob sie in seine von Löchern übersäte
Hosentasche, in der noch ein Fläschchen Jägermeister
war!
Er ging noch mal ans Wasser und
betrachtete sein Spiegelbild, das auf dem Wasser von
kleinen Wellen bewegt wurde und somit verschwommen
wirkte.
Da sagte zu sich: „Bevor ich mich um
die Stelle bewerbe muss ich erst versuchen, meine
Ängste und Depressionen besser in den Griff zu
bekommen, sonst schaffe ich das nicht! Ich muss auch
aufhören zu trinken, sonst wird das nichts und geht
in die Hose!"
Wie bekomme ich das nur alles in den
Griff?
Plötzlich fiel sein Blick auf seinen
Pilgerstab, der fahl in der Morgensonne schimmerte
und an den er sich verkrampft klammerte.
Plötzlich durchfuhr ihn ein
eigenartiges Gefühl und sein Herz begann zu rasen!
„ICH MUSS WIEDER HINAUS AUF DEN
CAMINO, ICH MUSS NACH SANTIAGO, DAS IST DER WEG FÜR
MICH!!!!! ICH MUSS ZUR KATHEDRALE, ES GIBT KEINEN
ANDEREN WEG, DER MICH GESUND WERDEN LÄSST!"
Der Alkohol und die daraus
entstandenen Depressionen und Ängste hatten das
alles zugedeckt, doch nun kam das alles plötzlich
über ihn!
Aber: Wie bezahle ich den Flug und
bekomme das nötige Kleingeld zusammen für meine
Pilgerreise nach Spanien?
Da fiel ihm ein, dass er vor seiner
ersten Pilgertour, die Jahre zurück lag, bei seinem
ehemaligen Kumpel Günter Schallenmüller, auch „Günsch"
genannt, im Garten Äpfel aufgelesen hatte und dafür
einen kleinen Obolus an Geld und immer ein gutes
Vesper bekam! Mann, das ist es, ich muss Günsch
finden, ob der wohl noch in Schorndorf lebt?
Es ist ja so lange her!
Mit zitternden Händen und wackeligen
Beinen machte er sich auf den Weg zur nächsten Post
und schaute dort in den Telefonbüchern nach!
Mit knurrendem Magen und einer kaum
beschreiblichen Alkoholfahne betrat er das
Postgebäude am Cannstatter Bahnhof und blätterte in
den Telefonbüchern. Dann nach ca. einer Stunde
mühseligen Suchens:
„Da! Da ist es! Das ist Günsch! Da
steht seine Nummer!“
Mein Gott ich danke dir von ganzem
Herzen! Er wohnt noch in Schorndorf! Mit Tränen in
den Augen lief er schwankend zur Telefonzelle. Er
stöberte in seiner Tasche und bemerkte, dass er
keinen einzigen Cent mehr hatte!
So ein Mist, was mache ich jetzt! Verzweifelt und
das Haupt nach unten geneigt, lies er sich an einer
Wand zu Boden und setzte sich hin und seufzte
bitterlich:
Warum immer ich, ich habe kein Glück im Leben. Er
faltete die Hände und betete leise: Lieber Gott,
bitte lass alles gut werden und erbarme dich meiner.
Bitte hilf mir, aus meiner misslichen Lage heraus zu
kommen, ich will auch alles dafür tun, wieder auf
die Beine zu kommen!
Müde und überdrüssig seines missratenen Lebens
schlief er ein, nachdem er aus Verzweiflung noch
einen Schluck Jägermeister genommen hatte! Plötzlich
sagte jemand leise: He Pfitze, bist du das? Keine
Reaktion.
Die Stimme wurde lauter und
wiederholte die Frage: Hallo Pfitze, wach auf!
Ich bin es!!!
Teil 3
04.11.2011
Pfitze wurde langsam wach, nachdem
der Unbekannte ihn mehrmals schüttelte und öffnete
seine müden Augenlieder.
Er schaute ganz abwesend in ein
Gesicht, und aus dem zuerst misstrauischen und
ängstlichen Blick entstand plötzliche ein zartes
Lächeln und er sagte: „Ronnie, bist du das? Ja, du
bist es, es gibt keinen Zweifel!“
Dann rief er voll Freude: „RONNIE,
das gibt es ja wohl nicht!“
Ronnie reichte mit Tränen in den
Augen Pfitze die Hand und sagte: „Ja, Pfitze, ich
bin es!“ Beide fielen sich in die Arme und drückten
sich herzlich! Sie lernten sich vor Jahren in einer
Selbsthilfegruppe für Leute mit Depressionen und
Ängsten kennen, denn Ronnie ging es früher auch mal
sehr schlecht! Er hatte fast alles verloren und
hatte eine schlimme Zeit hinter sich, doch er hatte
es wieder auf die Beine geschafft! Daher kannte er
Pfitze, der auch in diese Gruppe ging!
"Mann, was machst du denn hier?"
fragte Ronnie, „wie siehst du denn aus, was ist denn
nur passiert mit dir?"
Pfitze erzählte ihm in Kurzform von
seinem Schicksal, dass seine Firma pleite gegangen
war, ihn seine Frau verlies und dass er dann total
abstürzte!
Das konnte Ronnie gut nachvollziehen
und er sagte zu Pfitze: Komm erstmal mit zu mir, ich
ohne ganz in der Nähe, ich koch uns was schönes, wir
essen gemeinsam und dann können wir so richtig
quatschen und du kannst mir alles in Ruhe erzählen
und außerdem: „Erstmal wird gebadet und rasieren
kannst du dich auch bei mir. Und natürlich bist du
bis auf weiteres mein Gast und kannst bei mir ne
Weile wohnen und schlafen! So lasse ich dir hier
nicht zurück!
Pfitze konnte das erst gar nicht
glauben und Tränen liefen ihm über seine schmutzigen
Wangen! „Das ist wie ein Wunder, es gibt doch noch
Menschen mit einem guten Herzen!"
Ronnie hob Pfitze vom Boden auf und führte ihn
langsam zum Bahnhofsausgang: "Dort drüben steht mein
Auto!" Pfitze sagte mit einem
kleinen Lächeln im Gesicht: „Was, du hast immer
noch dies alte Mühle von Golf?“
„Ja, klar, der fährt noch
einwandfrei!“, lachte Ronnie und sagte: „Los lass
uns gehen."
Pfitze stieg ein und sagte zögernd: „Ist das ein
Traum oder habe ich wieder mal zu viel getrunken?"
„Nein, das ist die Realität", sagte
Ronnie lachend und fuhr los! Pfitze weinte vor
Freude: „Dass ich das noch erleben darf, lieber
Gott, ich danke dir dafür!!! He Ronnie ich muss aber
erst noch zu mir nach Hause unter die
Rosensteinbrücke! Ich muss noch die Türe abschließen
und ein paar Sachen holen!!"
„Ok!“, lachte Ronnie, „na dann mal
los!“
Teil
4
18.11.2011
Unterwegs erzählte Pfitze unter
anderem, dass er „GÜNSCH“, den auch Ronnie kannte,
versucht habe, anzurufen, und dass er aber kein Geld
mehr hatte und auch seine Pläne mit dem Jakobsweg!
Außerdem seine Absicht mit dem "KLOINKER"
-JOB, aber dazu später mehr!
„Das ist kein Problem, ich habe die
Nummer von Günsch bei mir zuhause in meinem
Adressbuch, man weiß ja nie, was kommt!“, sagte
Ronnie erfreut und fügte hinzu: "Mensch, das ist ja
lustig, ich spiele gerade auch mit dem Gedanken, mal
wieder zu pilgern!"
Beide lachten und kamen bei der
Rosensteinbrücke an! Ronnie begleitete Pfitze in
seine „Wohnung“ und wollte Pfitze etwas erheitern:
„Mann, das ist aber schön hier und fließendes Wasser
hast du ja auch und ne Heizung!“
„Na ja“, lachte Pfitze, „so wie es ja
aussieht, ziehe ich ja nun hier vorübergehend aus,
obwohl ich schon meine Miete überweisen habe!“
„Na dann pack mal deine sieben Sachen
und wir fahren zu mir nach Fellbach!"
Pfitze warf seine Sachen in den
Kofferraum und stieg ein: „Ich freue mich so sehr,
dass du mich mitnimmst, ich kann es immer noch nicht
fassen!“
Ja, manchmal spielt das Leben schon
verrückt, aber freu dich, bis wir da sind und du
dich mal richtig vollstopfen kannst mit Essen und
auf die Badewanne!
Zu Hause bei Ronnie angekommen, sagte
Pfitze: „Ach Ronnie, bei dir ist es aber gemütlich
und sauber, so sauber war’s in meiner Wohnung unter
der Brücke nicht immer, aber ich hatte ja auch ich
keinen Staubsauger!" und lachte dabei.
Ronnie lachte: „Ja, ab und zu räum
ich mal auf, wenn ich den ganzen Mist nicht mehr
sehen kann, aber nun setzt dich erstmal hin und ich
bringe Dir eine schönen heißen Tee!“
"Pfui Spinne", sagte Pfitze, „ein
Bier wäre mir lieber" und lachte dabei.
„Das würde dir so passen, die Zeiten
Sind jetzt erstmal vorbei, Du hast mir ja von deinen
Plänen erzählt und dass du damit aufhören willst,
also heute fangen wir damit an, aufzuhören!" und
lachte.
Pfitze konnte alles nicht glauben und
begann, seine schmutzigen Sachen auszuziehen.
Fortsetzung folgt!
„Ach ja, bevor ich es vergesse, der KLOINKER - Witz
hat einige Fortsetzungen . . . !“
Clefferle